Der offline Trend
Veröffentlicht am | Juli 29, 2010 | Kein Kommentar
Ich stelle in letzter Zeit einigermaßen erstaunt fest, dass häufiger mal experimente zum zeitweisen Ausstieg aus der Online-Welt gewagt werden. Im Harvard Business Manager (der übrigens auch sonst recht lesenwert ist), stolperte ich kürzlich über ein Experiment: Wie die Generation Y kommuniziert. Der Spiegel wartete kürzlich mit dem Titel “Ich bin dann mal off – Über die Kunst des Müßiggangs im digitalen Zeitalter” auf. Die Beiträge haben zwei unterschiedliche Ansatzpunkte. Während beim HBM tatsächlich die Kommunikation von Jugendlichen untersucht wurde, indem man sich einfach von Mobilfunk und Internet trennte geht der Spiegel-Artikel einen etwas anderen Weg.
Hier trennt sich der Autor im Selbstversuch einen Tag lang selbst von seinen Kommunikationsmöglichkeiten und versucht sich im Müßiggang. Für die Studenten aus dem HBM-Artikel endet die Geschichte zweitweise in sozialer Isolation:
In der Pause erfahre ich, dass ich gestern eine spontane Party bei einem meiner Kommilitonen verpasst habe – weil ich nicht erreichbar war. Ich ärgere mich, gerade dort wäre ich gerne dabei gewesen.
Im Spiegel Beitrag ist der Autor gequält von einem nicht enden wollenden Gedankenstrom und dem Gefühl irgendwas zu verpassen.
Wie alles begann – Frank Schirrmacher und Payback
Was hat die Netzszene auf ihm rumgehackt. Frank Schirrmacher beschreibt in Payback eine Welt, die uns allen nicht fremd ist. EIne Welt der Zwänge in der jeder alle 5 Minuten alle SocialNetworks checkt und vereinsamt, wenn mal keine SMS ankommt. Als altbacken hat man ihn verschrieen. Unfähig in der Welt der Digital Natives klarzukommen. Doch Schirrmacher ist kein Idiot. Die von ihm beschriebenen Phänomene sind durchaus greifbar und real. Auch für einen Digital Native wie mich. Er hat jedenfalls die Debatte losgetreten, die jetzt zu den entsprechenden Artikeln in der Offline-Welt führt. Auch ohne, dass er dabei erwähnt wird. Fakt ist: das Buch ist lesenswert, auch wenn es stellenweise etwas manipulativ wirkt. Und auch, wenn die Süddeutsche Zeitung glaubt, dass es die Debatte nicht weiterbringt.
Selbstexperimente sind gefragt
Wie gesagt: ich bin ein Digital Native. Seit der ersten netztauglichen Windows Version bin ich online. Ich besitze seit über 10 Jahren ein Mobiltelefon. Bevor der iPhone Hype begonnen hat, konnte ich damit schon meine Mails abrufen und im Internet surfen. Und doch kann ich jedem nur raten es ab und an mal abzuschalten. Nicht zum schlafengehen. Für einen nennenswerten Zeitraum. Schmeißt Euer Handy in die nächste Ecke, kauft Euch ein gutes Buch und setzt Euch in ein Café. Schaut Euch die Leute an oder denkt über das nächste SEO-Projekt nach. Oder denkt über Euer Leben nach. Ohne Verpflichtungen. Das letzte Mal als ich mein Handy für eine Woche abstellte, war das eine Woche der unglaublichen Freiheit. Erreicht einen keiner, hat man plötzlich auch keine Verpflichtungen mehr. Selbst Geburtstage und Beerdigungen in der Verwandtschaft erledigen sich plötzlich wie von selbst.
Probiert es aus und genießt die Stille. Und bis dahin lest ihr schön täglich den Deeblog weiter. Vielleicht gibt es demnächst wieder ein paar Gastbeiträge von mir. Patrick ist jedenfalls ab morgen wieder da und kümmert sich fortan weiter um den Nachschub. Einen schönen FollowFriday noch.
Jakob Zogalla, alias Hathead ist derzeit Gastautor bei Deeblog. Er ist Java-Softwareentwickler und bloggt sonst auf buildblog und bei rankingCHECK und twittert hier.
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