Level 26:Dark Origins – Erzählform 2.0 Digi-Novel

Montag, Januar 4, 2010 2:38
Abgelegt unter Allgemein

„Wie bringt man Nerds zum Schmökern? Ein Verlag versucht es mit einer echten Website, auf der Videos und Audiodateien die Story vertiefen. Eine gute Idee, die allerdings mit blutrünstigen Mitteln umgesetzt wurde. “Level 26” ist kein Stoff für dünnhäutige Naturen.“

Weihnachten ist vorbei, die Schränke sind prall gefüllt. Aber dennoch, kurz nach dem Fest stöbert man gelegentlich auf Onlineshop wie etwa Amazon. Dort ist mir gestern folgendes Buch aufgefallen. Level 26 – Platz ein auf der „Empfehlungen für Sie“. Warum gerade dieses Buch einen Beitrag auf Deeblog wert ist, soll der folgende Artikel genauer erläutern.

Der Spiegel – eröffnet seinen Artikel mit der Frage: „Wie bringt man Nerds zum Schmökern?“ Ob Nerds sich dem Thriller-Genre hingeben bezweifle ich. Passender finde ich folgendes: „Wie bringt man Bücherwürmer ins Internet? Wie bringt man Internet-User dazu, sich wieder mal ein richtiges Buch zu Gemüte zu führen?“

Dass sich heutzutage manche Menschen nur online kennen und fast ausschließlich über soziale Netzwerke wie Facebook, Lokalisten oder der ICQ-Community kommunizieren, ist nichts ungewöhnliches mehr. Viele befürchten, das gedruckte Buch könnte zu den Verlierern dieser Entwicklung gehören. Um besonders junge Leute wieder mehr für ihre Produkte zu begeistern, lassen sich Verlage einiges einfallen.

Eine Möglichkeit könnte der Psycho-Thriller ” Level 26” sein. Der Lübbe-Verlag hat nach eigenen Angaben den ersten digitalen Roman der Welt, eine sogenannte “Digi-Novel“, auf den Markt gebracht. Der Name ist markengeschützt. Dahinter verbirgt sich im Wesentlichen die nach Verlagsangaben Idee, jedes Buchkapitel mit Webcodes abzurunden. Auf der Website www.level26.com kann der Leser Codes wie “SNUFF”, “SQWEEGEL” oder “PRACTICE” eingeben und erhält so Zugang zu Videos oder Audiodateien, die die Handlung abrunden, ergänzen oder weiterführen. Voraussetzung ist die Anmeldung mit einer gültigen E-Mail-Adresse.

Das erfordert allerdings eine relativ hohe Schmerzgrenze, handelt es sich bei “Level 26: Dark Origins” doch um ein besonders blutrünstiges Buch. Der Thriller erzählt die Geschichte von der Suche nach einem brutalen Massenmörder.

Wer sich dazu durchringen kann, den erwartet ein rund drei Minuten langes, professionell gemachtes Gruselvideo aus dem Folterkeller. Andere Links führen zu einer Audiodatei von der Telefonkonferenz der Polizei oder einem Video, in dem die Frau des ermittelnden Ex- Kommissars Steve Dark versucht, ihn zu verführen. Um “sexuelle Spannung zu erleben” muss der Leser “SIBBY” eintippen. Das Buch setzt neben der Internetaffinität seiner Leser vor allem auf deren Voyeurismus.

Doch nicht nur diese Codes, die das Gruseln auch akustisch und visuell vermitteln wollen, sollen den Mediennutzer von heute für die neue Buchform begeistern. Die Leser können sich offen oder maskiert im Forum auf der Website ein Profil anlegen und mit anderen Lesern und auch den beiden Autoren darunter Anthony E. Zuiker, der Erfinder der Krimiserie CSI diskutieren. Nach Verlagsangaben nimmt der Autor auch Tipps für die Handlung und die Entwicklung der Charaktere entgegen. Aus der Geschichte soll eine Trilogie werden.

Worum geht es in dem Buch? (Klappentext)

Seinen ersten Mord hat Sqweegel um das Jahr 1990 herum begangen. Stundenlang hat er sich in der Elektrik einer Autowaschanlage versteckt, um dann gnadenlos zuzuschlagen, als eine Mutter mit ihrem vierjährigen Sohn ahnungslos hineinfuhr. Als der Wagen die Waschstraße verließ, war er keineswegs chemisch rein, sondern blutverschmiert. „Die Mutter ist total…zerfetzt“, heißt es in Anthony E. Zuikers Roman Level 26. Dark Origins. Und das Geräusch, dass der Vierjährige später machte, um im Verhör die Schreie der sterbenden Mutter zu imitieren, gab dem Serienkiller Sqweegel seinen ungewöhnlichen Spitznamen.

Nach einer internen Stufenskala der US-Polizei steht Sqweegel auf Level 26 – in seiner Grausamkeit also drei Stufen über jenem Niveau, das normale Massenmörder so erreichen. Tatsächlich hat der Held von Level 26 in den vergangenen zwanzig Jahren in mindestens sechs Ländern wenigstens fünfunddreißig Menschen vergewaltigt, verstümmelt, gefoltert, verbrannt, vergiftet oder erschossen. Dabei scheint er völlig planlos vorzugehen. Und der Umstand, dass er bei seinen schrecklichen Verbrechen einen Ganzkörper-Latexanzug trägt, lässt die Spuren am Tatort gegen Null tendieren.

Jetzt aber hat Sqweegel sich an einem Menschen vergangen, dessen geheime Verbindung bis ins amerikanische Oval Office reicht. Deshalb lässt der US-Verteidigungsminister persönlich den ehemaligen Geheimagenten Steve Dark reaktivieren, dessen Pflegeeltern dereinst ebenfalls von Sqweegel aufs Grausamste ermordet worden sind. Ein Duell auf Leben und Tod beginnt, während dessen Dark noch die ein oder andere schmerzliche – auch tödliche – Erfahrung machen muss…

Bekannt wurde Anthony E. Zuiker als Erfinder der Serie CSI, die bis heute weltweit Millionen Zuschauer das Gruseln lehrt. Mit Level 26: Dark Origins hat er nach eigenen Antworten eine völlig neue Form des Thrillers geschaffen: die als Trademark schon geschützte “Digi-Novel“, die der Autor in seinem nicht gerade bescheidenen Vorwort großmundig als „Erzählform 2.0“ preist.

Natürlich illustriert Level 26: Dark Origins vor allem ein grundsätzliches Problem der Serienkiller-Romane: nämlich jenes, dass diese immer brutaler, grausamer, schrecklicher werden müssen, da sich die Leser nach exzessivem Lektürekonsum offenbar schon ans „normale“ Brutale, Grausame und Schreckliche gewöhnt haben. Trotzdem muss man sagen, dass es Zuiker dabei vortrefflich gelingt, die Waage zwischen Ekel und Spannung ausgeglichen zu halten. Level 26 stellt das Genre trotz der neuen Filmebene zwar nicht auf den Kopf, bereichert es aber durch eine faszinierende Figur.

Fazit:

Level 26 stellt vielleicht nicht das Genre auf den Kopf, es schafft auch kein neues Genre in dem Sinne und es wird auch nicht von abnormaler, ultraperversen Gewalt geprägt, dessen sich auch nicht Stephen King bedient, aber es schafft ein neues, revolutioniertes Lesegefühl. Es könnte der Weg zu „neuen Bildung“ sein. Ein Mittel um die Massen vor den Bildschirmen wieder hinter das „Pergament“ zu locken und ihnen die wohl größte Errungenschaft nahezubringen. Allerdings sollten Sie ein etwas dickeres Fell haben und ein Freund von Thrillern sein, die etwas mehr die Nähe zu Stephen King und Richard Laymon suchen. Alles in allem nur zu empfehlen.

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1 Kommentar zu “Level 26:Dark Origins – Erzählform 2.0 Digi-Novel”

  1. Philip Wünschmann sagte:

    Januar 4th, 2010

    Ich habe ja schon einige Bücher gelesen, vor allem Bücher aus dem Horrorgenre, aber ich habe noch nie ein solch “gewaltiges” Buch gelesen. Es reißt einen praktisch in einen Strudel, aus dem man nicht mehr fliehen kann. Das man nun auch versucht mit einem “Web2.1″ Buch die Welt zu verändern – auf beiden Seiten – finde ich beachtlich.

    Daher kann ich mich dir guten gewissen anschließen und nur zu einem Kauf raten! In der heutigen Zeit kann man weder dem Klappentext auf einem Buch, noch einer Rezension im Weltbild-Katalog Glauben schenken. Aber hier, kann ich meinem Vorredner und dem Klappentext nur ein großes Kompliment entgegenbringen.

    Dennoch rate ich jenen Leuten vom Buch ab, die weniger hartgesonnen sind, noch sehr schnell Alpträume bekommen. Dieses Buch ist harter Tobak.

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