Die Analyse von Werbeerfolgen ist ein gemeinhin massiv unterschätztes Thema. Henry Ford soll mal gesagt haben:
Ich weiß, die Hälfte meiner Werbung ist hinausgeworfenes Geld. Ich weiß nur nicht, welche Hälfte
Obwohl das schon eine ganze Weile her ist, scheint sich dieser Umstand in den meisten Unternehmen nicht wirklich geändert zu haben. Das Problem zieht sich durch sämtliche Medien. Seien es Zeitschriften, Fernsehwerbung oder sogar Online-Kampagnen. Dabei lassen sich letztere noch am genausten analysieren. Auf diese Weise verpuffen Millarden Euronen (entschuldigt den Ausdruck, ich mag ihn) im Nirvana der sogenannten Image-Kampagnen. Immer dann, wenn eine Werbemaßnahme nicht den gewünschten Erfolg liefert wird sie einfach unter “Imagebildung” verbucht und anschließend vergessen, oder nie wieder erwähnt. Dieses Problem wir in der Regel dadurch maximiert, dass häufig überhaupt nicht erfasst wird ob eine Werbemaßnahme irgendwelche Auswirkungen auf Absatz und Markenimage haben.
Das ganze hat natürlich auch seine Gründe. Zum einen neigen Kunden zur Unwissenheit. Selbst in den Marketingabteilungen ist das Wissen rund um die Werbeerfolgskontrolle (und seien es nur einfachste statistische Auswertungen) nicht sonderlich breit gesät. Der andere Punkt betrifft die Marketingagenturen. Während der Kunde überhaupt keinen Plan hat – übrigens auch dann wenn unter seinen Mails “Leiter strategische Unternehmenskommunikation” steht – liegt es gar nicht im Interesse einer Agentur zu zeigen wie Kampagnen performen. Es sei denn Sie sind erfolgreich. Die Beschaffung und Auswertung von Daten zur Werbeerfolgskontrolle kann aber äußerst kostspielig sein, weshalb es selten in Werbebudgets kalkuliert wird.
Von Suchmaschinenoptimierern lernen
Suchmaschinenoptimierer befassen sich häufig auch auch mit SearchEngineAdvertising, also Werbemaßnahmen in Suchmaschinen. Hier kostet jeder Klick das Geld des Kunden. Ein Kluger SearchEngingeAdvertiser wird seine Kunden also zunächst fragen, was ihm denn ein zahlender Kunde wert ist. Denn nicht jeder Klick führt zwangsläufig zu einem verkauften Produkt und so kann es gelegentlich 5, 20 oder 50 Euro kosten bis ein Artikel verkauft ist. Ziel des Advertisers sollte es also sein der Vorgabe des Kunden möglichst nahe zu kommen und dafür sorge zu tragen, dass sich der Erfolg skalieren lässt. Erwartet der Kunde also für ein Budget von 1000 Euro 50 Kunden, müsste er bei einem Einsatz von 2000 Euro auch 100 Kunden generieren können. Hierfür hat der Advertiser zahlreiche Möglichkeiten, insbesondere bei der Keywordoptimierung. Damit das aber funktionieren kann müssen die Konversionen auch gemessen werden. Der Großteil der Leute wird dafür vermutlich die integrierten Möglichkeiten von Google-Analytics nutzen. Das darf aber in Deutschland als Datenschutzrechtlich bedenklich angesehen werden. Für alle Analytics-Nutzer empfiehlt es sich trotzdem mal in die Tiefen des Systems einzutauchen. Denn die weniger bekannten Konfigurationsmöglichkeiten sind teilweise enorm.
Insgesamt sind die Möglichkeiten beim Webtracking am weitesten fortgeschritten. Dennoch gibt es lücken. Diese finden in der Regel bei Medienbrüchen statt. Ein paar Beispiele:
- Der Kunde sucht online nach einem Produkt, kauft es aber dann offline
- Der Kunde findet ein Produkt, hat anschließend Fragen, welche er telefonisch oder via Mail klärt und bestellt erst anschließend über den Online-Shop
- Der Kunde findet ein Produkt und bestellt direkt telefonisch
Für den ersten Problemfall gibt es einen beschränkt funktionierenden Lösungsansatz: Gutscheine. Der Kunde druckt einen Gutschein aus und nimmt ihn mit in den Shop. Dadurch kann die Quelle des Verkaufs wieder eindeutig zugeordnet werden. Der Gutschein-Code könnte sogar Daten über die ursprünglich bei Google eingegebene Suchphrase enthalten. Das hat einen weiteren Vorteil: ich glaube nicht, dass derzeit jemand dazu in der Lage ist diejenigen Keywords zu benennen, die sich in Offline-Konversionen äußern.
Der zweite Problemfall ist etwas komplexer lösbar, denn wir haben einen doppelten Bruch. Die Konversion des Mailkontaktes können kann mit automatisch generierten Mailadressen oder Kontaktformularen erschlagen werden. Was passiert jedoch, wenn die Anfrage zufriedenstellend beantwortet wurde und der Kunde sich zu einem Kauf entschließt? In diesem Fall ist die Antwortmail mit Links zurück ins Portal zu versehen. Da bekannt ist, was der Kunde gesucht hat lässt sich das ganze so einrichten, dass die nun erfolgende Konversion mit der Ausgangssuche, die eine beliebige Zeit in der Vergangenheit liegen kann, verknüpft wird. Um sicher zu gehen, dass die Konversion nicht doch durch einen Offline-Kauf verloren geht kann immernoch ein Gutschein angehängt werden.
Jetzt wird es kompliziert. Sobald wir in die Welt der Telefonie gelangen, verlieren wir jeglichen Bezug zur Ausgangssuche. Allerdings gibt es auch hierfür eine Lösung: Das Telefontracking, welches es in zwei Ausprägungen gibt. Callback Tracking und Rufnummern-Tracking. Die Callbackvariante halte ich persönlich für unpraktikabel, denn der Kunde wünscht in der Regel eine sofortige Befriedigung seines Informationsbedürfnisses. Hierfür gibt es meines wissens auf dem deutschen Markt nur einen Anbieter. AdConverse ermöglicht es Nutzerinformationen aus dem Netz (z.B. das ursprünglich gesuchte Keyword bei Google) mit jeder Art von Telefonkontakt zu verknüpfen. Problematisch wird es aber auch hier mit dem Weg zurück. Der Kunde könnte nun Online bestellen, oder ein paar Tage später. Auch hier erscheint mir der Gutschein eine sinnvolle Ergänzung zu sein. Dieser kann wahlweise per Mail (angereichtert mit weiteren interessanten Produkten und Dienstleistungen) oder telefonisch (in Form eines Codes) übermittelt werden. Praktischerweise lassen sich auf diese Weise auch sämtliche Offline-Kampagnen tracken, die einen telefonanruf erfordern.
Fazit: Es ist von entscheidender Bedeutung in jeder Marketingkampagne, offline oder online, genau im Auge zu behalten, welche Maßnahmen zu welchem Erfolg führen. Nur so lässt sich das Marketingbudget dauerhaft zu Gunsten aller beteiligten optimieren. Hier sind durchaus neue Lösungsansätze gefragt. Die Datenschutzproblematik wird zumindest in Deutschland in naher Zukunft dazu führen, dass wir alle uns nach alternativen umsehen. Problematisch daran ist, dass es bisher keinen ganzheitlichen Ansatz gibt, der dazu geeignet wäre Analysen auf allen Kanälen durchzuführen.
Jakob Zogalla, alias Hathead ist derzeit Gastautor bei Deeblog. Er ist Java-Softwareentwickler und bloggt sonst auf buildblog und bei rankingCHECK und twittert hier.